Fraßbilder

Zwei Fraßspuren stehen sich gegenüber. Ips Typographus (Borkenkäfer) und Homo sapiens. In ihrer Ästhetik nahezu identisch, in Ihrer Dimension relativierend.
Preisträger des Andreas-Kunstpreis, Nationalpark Harz. (Ausstellung läuft vom 18.9. bis 31.10.2021 in Sankt Andreasberg)

IPS TYPOGRAPHUS

Die Larven des Fichtenborkenkäfers (Ips typographus) fressen in der einzigen nährstoff- und wasserführenden Schicht des Baumes. Die Folge: der Baum stirbt. Der Harz wirkt gerade sehr apokalyptisch mit seinen sterbenden Fichten. Diese schnell wachsenden Bäume wurden im großen Stil in den Nachkriegsjahren aufgeforstet: Kein Mischwald, keine Altersunterschiede, größtenteils nur eine Art (von 40-60 existierenden Fichtenarten). Diese menschengemachte Monokultur ist nicht resilient und der Klimawandel wirkt zusätzlich: weniger Produktion von Harz um die Eindringlinge abzuwehren. 

Ein riesiges Problem. Nicht nur im Harz.

HOMO SAPIENS

Jedes zweite Produkt im Supermarkt enthält Palmöl: Nahrungsmittel, Kosmetika, Waschmittel, Pharmazeutika und Biokraftstoff. Warum? Weil die Ölpalme pro Hektar fünfmal mehr Ölausbeute bringt als beispielsweise Rapsöl. 
Auf Borneo werden daher riesige Flächen artenreicher Mischwald in Palmölplantagen umgewandelt. Diese Monokultur ist anfälliger und braucht den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden (meist mit hier bereits verbotenen Mitteln und ohne Arbeitsschutz). Bodenerosion und verschlammende Flüsse entziehen der verbleibenden Landbevölkerung die Nahrungsgrundlage (z.b. Fischfang). Die Folge: Landflucht indigener Völker und Verlust ihrer Traditionen. Sauberes Trinkwasser können sie dann im Supermarkt von z.b. Nestle kaufen. Global Players verkaufen uns „hier“ ihr Palmöl welches Sie dort meist illegal unter Missachtung von Landnutzungsrechten erwirtschaften. Ganz abgesehen von dem Verschwinden von Tier und Pflanzenarten.
Fast 20 Quadratkilometer Wald gehen täglich verloren. Pro Stunde eine Fläche so groß wie ca. 100 Fußballfelder. 

Luftbild: mit freundlicher Genehmigung von Ulet Ifansasti, Greenpeace

vom 18.9. bis 31.10.2021 in der Rathausscheune Sankt Andreasberg/ Harz