Orbis Ligni

Eine kinetische Installation mit Totholz, Würfelbruch und Braunfäule. Ein Kunstrukt aus Lignin und Zellulose wird zersetzt – organische Materie wird zurück in anorganische Mineralien gewandelt. Ursächlich für diesen zyklischen Stoffkreislauf im Ökosystem ist das Zusammenspiel verschiedenster Organismen.

Zahllose Destruenten sind daran beteiligt – Bakterien, Mikroorganismen, Larven, Käfer. Sie schaffen die Grundlage für neues Leben.Vielleicht zeigt sich daran etwas Universales, im ganz Großen wie auch im ganz Kleinen: Werden, Leben und Zerfallen – der Zyklus des Lebens. Ein System, das den Menschen erfasst, von ihm selber aber niemals komplett erfasst werden kann.

Mancher entdeckt in der Skulptur einen Meteoriten oder einen Steinbruch. Wer hat geformt? Die Menschenhand oder etwas Unergründliches? Einfach nur „die Natur“? Frei nach Schopenhauer: „Es ist herrlich, Natur zu sehen. Aber schrecklich, Natur zu sein.“

Das Totholz wird dem Ökosystem Wald kurzzeitig entnommen und seine Struktur analog in einem drei Meter Panorama Konkavspiegel vergrößert. Extreme Licht- und Schattenstrukturen verschieben sich und greifen ständig neu ineinander. Anschließend wird das Totholz dem Kreislauf Wald wieder überlassen. In jedem Baum ist das nicht beantwortbare Wunder des Lebens verborgen – das Schöpfungsgeheimnis. Denn abgesehen von den Spurenelementen aus dem Boden formt sich ein Baum nur aus Wasser und Kohlenstoffdioxid.

 

Im Sound hörbar ist das Fressen der Larven des Hausbockkäfers Hylotrupes bajulus im Kiefernsplintholz. Aufgenommen im Labor des MPA Eberswalde.

Sounddesign (Ausstellung & Film): Jennifer Eberhardt
ORBIS LIGNI lief in der alten Schachtofenbatterie im Kalkwerk Rüdersdorf auf dem Freundetreffenfestival 2018. Die Installation ist vom 15. – 16. September 2018 beim performativen Wald-Theaterspaziergang „WaldWeit“ zu sehen. www.waldweit.net