Orbis Ligni

Eine kinetische Installation mit Totholz welches in einem drei Meter konkaven Spiegel analog vergrößert wird. Das Kunstrukt aus Lignin und Zellulose wird zersetzt – organische Materie wird zurück in anorganische Mineralien gewandelt. Ursächlich für diesen zyklischen Stoffkreislauf im Ökosystem ist das Zusammenspiel verschiedenster Organismen.
Das Totholz wird dem Ökosystem Wald kurzzeitig entnommen und seine Struktur in einem drei Meter konkaven Spiegel analog vergrößert. Extreme Licht- und Schattenstrukturen verschieben sich und greifen ständig neu ineinander. Anschließend wird das Totholz dem Kreislauf Wald wieder überlassen.

Zahllose Destruenten sind an diesem zyklischen Stoffkreislauf beteiligt  – Bakterien, Mikroorganismen, Larven, Käfer. Sie schaffen die Grundlage für neues Leben.Vielleicht zeigt sich daran etwas Universales, im ganz Großen wie auch im ganz Kleinen: Werden, Leben und Zerfallen – der Zyklus des Lebens. Ein System, das den Menschen erfasst, von ihm selber aber niemals komplett erfasst werden kann.

Mancher entdeckt in der Skulptur einen Meteoriten oder einen Steinbruch. Wer hat geformt? Die Menschenhand oder etwas Unergründliches? Einfach nur „die Natur“? Frei nach Schopenhauer: „Es ist herrlich, Natur zu sehen. Aber schrecklich, Natur zu sein.“

Alle Wesen, auch wir, wechseln den Stoff miteinander: Wenn wir einen Apfel essen, so wird der Stoff, aus dem er besteht, zu unserem Körper. Mit jedem Atemzug, den wir tun, löst sich unser Körper in der umgebenden Luft auf. Das CO2, das die anderen einatmen, ist unser Körper, der sich an die Welt hingibt, um sich in den Körper der Bäume zu verwandeln. Bäume sind Atem, könnte man aus der Perspektive der poetischen Biologie sagen. In jedem Baum ist das nicht beantwortbare Wunder des Lebens verborgen – das Schöpfungsgeheimnis. Denn abgesehen von den Spurenelementen des Bodens formt sich ein Baum nur aus Wasser und CO2 und zerfällt auch wieder in diese. Diese Wörter schreibe ich mit Hilfe von Silizium und Seltenen Erden – für immer ihrem Kreislauf entrissen.


Im Sound hörbar: Das Fressen der Larven des Hausbockkäfers Hylotrupes bajulus im Kiefernsplintholz. Aufgenommen im Labor des MPA Eberswalde.
Sounddesign (Ausstellung & Film): Jennifer Eberhardt

ORBIS-LIGNI-AUSSTELLUNGEN:
DENKRÄUME – AUFKLÄRUNG.MIT.MACHEN
Gleimhaus – Museum der deutschen Aufklärung
26.10.2019 – 2.4.2020
LOST ART FESTIVAL (auf 2021 verschoben)
25.9.2020 – 27.9.2020, Berlin
NATIONALPARK HARZ
Kunstausstellung NATUR – MENSCH
1. Preisträger des Andreas-Kunstpreises
14.9.2019 – 13.10.2019
KALKWERK RÜDERSDORF
Freundetreffenfestival 2018
WALDWEIT – performativer Wald-Theaterspaziergang
Spreewald www.waldweit.net