Experimentalfilm
Meander Vitæ –
Die Windungen des Lebens
Die Kamera treibt frei in einem Bach-Auenwald. Kein Stativ, kein Steadicam-Operator – der Fluss selbst führt die Kamera. Jede Kurve, jede Verwirbelung, jede Beschleunigung bestimmt die Bildführung. Das Prinzip des Mäanderns wird zur Dramaturgie: absichtslos, ungesteuert, lebendig.
Ein leises, kontemplatives Manifest für Langsamkeit, Wandel und das Recht auf Umwege.
Knapp über der Wasseroberfläche entsteht eine immersive, fast surreale Reise aus Spiegelungen, organischen Formen und fließenden Schatten. Bäume, Wurzeln und Wolken erscheinen überlagert, verfremdet, flüchtig – eine Doppelwelt aus Realität und Reflexion.
Der Film ist zugleich ökologisches Plädoyer und Metapher des Lebens: Natürliche Flüsse fließen nie geradeaus. Ihre Windungen schaffen Artenvielfalt, Resilienz und Schönheit – doch wir haben sie begradigt, um Zeit und Geld zu sparen. Meander Vitae zeigt das absichtslose Fließen des Wassers als Gegenentwurf zum linearen Wachstumszwang unserer Gesellschaft.
Meandering and aimlessly flowing is being alive
Tom Kretschmer
Der Film ist im Bach-Auenwald »Nonnenfließ« entstanden – ein lebendiges System, in dem Wasser und Land im ständigen Wechsel stehen. Ein natürlich gewundener Flusslauf, dessen Windungen, Schlingen und Bögen sich wandeln ist wunderschön und unvorhersehbar.
Idee & Konzept: Tom Kretschmer
Musik: Martin Krause
Kamera: Bach-Auenwald »Nonnenfließ«
Schnitt: Tom Kretschmer
Dramaturgie: Tomás Zebis
Fieldrecording: Hans Peter Beck, Kamilla Ingibergsdóttir
Meander Temporis
Dieses physische Modell lässt unterschiedlich große Partikel von Wasser durchströmen. Dabei entwickeln sich ständig neue Strukturen und Fließprozesse werden sichtbar. Erosion am steilen äußeren Ufer und Sedimentation am flachen inneren Ufer bilden Schleifen, die sich ständig verändern, ausweiten oder wieder abschneiden. Diese Dynamiken sind durch einen Zeitraffer stark beschleunigt und visualisieren das Fließen auf eine ganz andere Art.
Eine Metapher für das Fließen des eigenen Lebens in einer Gesellschaft des entgrenzten Wachstums.
Wasser fließt in der Natur nicht geradeaus, sondern in Windungen. Oft reichen Pflanzen oder Steinchen aus, damit Wasser eine andere Richtung annimmt. Es entstehen unterschiedlich starke Strömungen und Geschwindigkeiten, Untergrund wird abgetragen und wieder abgelagert. Ein Prozess des Wandels, bei dem Lebensräume stetig wechseln und neu besiedelt werden. Wasser wird Land und Land wird Wasser. Ein Werden und Vergehen: äußerst artenreich und vor allem ästhetisch.
Natürliche Flussläufe wurden in der Vergangenheit oft begradigt, da das Mäandern unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten unerwünscht ist. Der Grund: Geld und Zeitersparnis. Für die Schifffahrt werden die Wege verkürzt und die Landwirtschaft kann effizienter betrieben werden. Die Folge: sinkende Artenvielfalt, steigender Grundwasserspiegel, höhere Fließgeschwindigkeiten, mehr Erosion und Hochwassergefahr.
Das »absichtslose« Fließen von Wasser und steht im Kontrast zu den geradlinigen Sprints unserer Zeit.
Konzept, Kamera, Licht: Tom Kretschmer
Musik: Martin Krause
Eine Kooperation mit Tomattics und dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB).
Wasser – ein flüssiges Wesen?
Als Künstlerkollektiv »Tomattics« mit Matthieu Schmit erforsche ich das Verhalten von Wasser. Eine künstlerisch-wissenschaftliche Untersuchung, die uns zum Kern von uns selbst und so ziemlich allem um uns herum führt.
In Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Für dieses Projekt haben wir als Kollektiv eine Residency im GhostRaum Berlin erhalten.
Ausstellungseröffnung im Polnischen Institiut, Berlin
Die Filme sind aktuell in zwei Berliner Ausstellungen zu sehen.
Galerie des Polnischen Instituts Berlin
Die Ausstellung »Der Puls der Oder« zeigt die zwei Filme zusammen mit »Atrium Sacrum«. Die Ausstellung mit Cecylia Malik wird kuratiert von Marta Smolińska.
Adresse:
Galerie des Polnischen Instituts Berlin
Burgstrasse 27
10178 Berlin (an der Museumsinsel / Hackescher Markt)
Öffnungszeiten:
Di. – Do. 13 – 18 Uhr, Fr. 13 – 17 Uhr
Ausstellungsdauer:
4.12.2025 – 27.2.2026
• Performance: 20.2.2026 um 19 Uhr
„On the one who meanders“ von Anna Nowicka
• Artist-Talk: 23.2.2026 um 19 Uhr
mit Marta Smolińska, Tom Kretschmer und Peter Torkler. Link
Die Ausstellung »Der Puls der Oder« lädt dazu ein, die Oder aus einer neuen Perspektive zu betrachten – nicht nur als politische Grenze zwischen Polen und Deutschland, sondern als lebendigen, empfindsamen Organismus. In diesem Artist-Talk diskutieren Experten und Künstler über die Rolle der Kunst in der Umweltbewegung und die Möglichkeiten, ökologisches Bewusstsein auf kreative Weise zu stärken. Projekte und Visionen für eine Zukunft, in der Menschen, Flüsse und Ökosysteme in enger Verbindung stehen.
Marta Smolińska, Kunsthistorikerin und Kuratorin mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer Kunst und ökologischen Projekten. Sie forscht zu den Schnittstellen von Kunst, Umweltbewusstsein und gesellschaftlichem Engagement.
Tom Kretschmer, Fotograf und Filmemacher, der sich in seinen Arbeiten auf die mikroskopischen und monumentalen Lebenszyklen von Flusslandschaften konzentriert. Seine Werke verbinden kontemplative Ästhetik mit ökologischer Sensibilität.
Peter Torkler, Umweltaktivist und Projektleiter bei Rewilding Oder Delta, einer Initiative, die sich für die Renaturierung und den Schutz der Oder-Mündungsregion einsetzt. Ziel ist es, bedrohte Ökosysteme wiederherzustellen, die Artenvielfalt zu fördern und den Fluss zu einem lebendigen, selbstregulierenden Lebensraum zu machen.
Luisa Catucci Gallery
»Die Signatur der Natur« vereint drei künstlerische Positionen von Zak van Biljon mit »Modernizing Nature«, Samanta Malavasi mit »Whisper of Nature« und meine fünf Arbeiten »Meander Vitæ« (Film), »Meander Temporis« (Film), »Atrium Sacrum« (Fotoserie), »Atrium Lucis» (Installation) und »Fagus Helix« (Objekt).
Adresse:
Luisa Catucci Gallery
Brunnenstr 170
10119 Berlin (Nähe U8 Rosenthaler Platz)
Öffnungszeiten:
Mi. – Fr. 11 – 18 Uhr
Sa. 12 – 17 Uhr
oder nach Vereinbarung
Ausstellungsdauer:
29.1. – 8.3.2026